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Lauter Protest fürs Recht zu Schweigen

Lauter Protest fürs Recht zu Schweigen

schreibt Spiegel Online heute

Ärzte, Journalisten und Anwälte fürchten, dass das geplante Gesetz zur Überwachung der Telekommunikation ihr Zeugnisverweigerungsrecht verletzen könnte. Auf die Verabschiedung durch den Bundestag folgen nun Verfassungsklagen - und weitere Proteste.

9.11.07 18:03, kommentieren

Die Grauen Zahnarzt-Panther

von Chefredakteur Jürgen Pischel(aus DZW-Online)

hier: 

pischel

Eigentlich sollte man angesichts der Bände füllenden Verzeichnisse über zahnärztliche Fachgesellschaften und Verbände, Zwangsvertretungen von Kammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZVen) bis hin zu politischen Interessensvereinigungen und Stammtischen glauben, für eine weitere Gesellschaft zur Bündelung zahnärztlicher Anliegen sei kein Platz mehr. Aber Irrtum. Nun wollen – oder besser gesagt, sollen – sich die „alten Zahnärzte“ in der Gruppe der „Zahnarztpraxis 55plus e.V.“ vereinigen. Dieser Verein will, so der an der Spitze stehende Initiator – ein ehemaliger Multifunktionär auf nationaler und internationaler Ebene, von Freiverbands-Spitzenpositionen über KZV-Vorsitz bis hin zur Präsidentschaft der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und FDI-Top-Jobs – als oberste Priorität natürlich die 68er-Regelung, das heißt, die Zwangsabgabe der Kassenzulassung mit Erreichen des 68. Lebensjahrs, zu Fall bringen.

Des Weiteren will „55plus“ die Praxen dieser „Alten“ durch entsprechende betriebswirtschaftliche Beratung über den Verein auf Topstandard halten, damit sie verkaufbar bleiben. Man hat also politische und wirtschaftliche Ziele, und dann versteckt sich hinter wohlklingenden gesellschaftspolitischen Forderungen sicher noch der Wunsch, doch wieder in Amt und Würden zu kommen, vorne mitmischen zu können, nicht nur zum großen Kreis der Verbandspolitiker-Alumni zu gehören. Warum eigentlich nicht?

Das vorrangige politische Ziel „weg mit der 68er-Regelung“, das angeblich bei KZVen und Freiem Verband nur schlecht vertreten wird, ist eine der großen Utopien. Es sei denn, die Politik überlegt es sich in ferner Zeit einmal anders, weil wir einen echten Zahnärztemangel haben. Kann passieren. Bei der Gesundheits- und Standespolitik von heute – wie man ja auch unter den Grauen Panthern der Zahnärzte beklagt – ist das schon möglich. Betriebswirtschaftliche und kommunikative Aufrüstung der Praxen, auf diesem Feld bemühen sich schon viele andere Interessengruppen, vom Handel über die Industrie – die will man beide auch im Boot haben – bis hin zu Kohorten von Beratern. Aber diese zählen ja schon zu den Initiatoren der Grauen-Panther-Zahnärzte.

Was soll eigentlich, bitteschön, die Forderung nach High-Tech-Aufrüstung der Praxen, wenige Jahre vor der Praxisabgabe? Dann investiert der Zahnarzt, sagen wir 250.000 Euro, um dann für seine Praxis drei bis vier Jahre später beim Verkauf einen Mehrwert daraus von 30.000 bis 50.000 Euro – wenn überhaupt – erzielen zu können.

Obwohl, Hilfen könnten schon vielfältig für ältere Zahnärzte, also „55plus“, angeboten werden. So zum Beispiel in besonderen Kooperationsmodellen mit Jüngeren, oder sogar untereinander in Teilzeitpraxis-Organisationsformen, bis hin zur Praxisvertretung in der eigenen ehemaligen Kassenpraxis, ist man einmal nicht mehr selbst Inhaber des Vertragszahnarztsitzes. Da soll ja einiges möglich sein, richtig gestaltet. Sollte es nicht das Ziel von „55plus“ sein, in Kooperationen die Erfahrungen von „55plus“ an die „30er-Aufstiegs-Gruppe“ zu geben, das Miteinander und nicht das Absetzen zu fördern?

Das Initiatorenteam erhebt den Anspruch auf Interessenvertretung „55plus“, fällt aber eher unter die Gruppe „65plus“, genießt also sicher Minderheitenrechte bei „Zahnarztpraxis 55plus“.

Einige Gedanken der Gruppe „55plus“ sind sicher pflegenswert, aber ob es dazu eines neuen Vereins bedarf, vor allem dominiert von Praxis-Coaches und mit einem von „Beratungsleistungen“ bestimmten Programm, ist mehr als hinterfragenswert.

 

15.11.07 17:37, kommentieren

gesucht: die »Super-Uni«

Zöllner sucht die »Super-Uni«

Berlin: Studierendenaktion gegen Konkurrenz unter Hochschulen während SPD-Landesparteitag

Von Anna Panek
Während die SPD am Samstag in den Räumen der Berliner Freien Universität (FU) ihren Landesparteitag unter dem Motto »Innovation in Berlin –Zukunft aus Tradition« abhielt, lieferten sich vor dem Haus Studenten mehrerer Hochschulen eine »Schlacht um die Exzellenz«. Von den Delegierten blieb die Satire-Show unbemerkt, da die Aktivisten von der Alice-Salomon-Fachhochschule (ASFH), der Humboldt-Uni und der Universität der Künste von Polizeieinsatzkräften auf den Campushof verbannt worden waren.

Der Beginn der »Schlacht« hatte sich zudem verzögert, da ihr ein fragwürdiger Einsatz eines Zivilbeamten vorangegangen war: Ein Student der Ethnologie wurde von einer Polizistin aufgefordert, das Unigelände zu verlassen oder das von ihm mitgeführte Megaphon abzulegen. Während des Gesprächs mit der Beamtin wurde er plötzlich von einem ihm nicht bekannten Mann in Zivil hart angegriffen und gewaltsam weggezerrt, der sich erst später als Kriminalbeamter auswies.

Die ASFH-Aktivisten kämpften mit rosa Papppanzern und Schlachtschilden um die Pyramidenspitze der Forschungsförderung, wofür sie anschließend mit dem Siegerpreis geehrt wurden.

Kritisiert wurde mit der Aktion die Hierarchisierung von Hochschulen und die zunehmende Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft. So berichtete ein Student der FU, auf deren Campus solle eine Privatuni eingerichtet werden – Ergebnis einer Kooperation zwischen FU und Klett-Verlag. Eine Konsequenz sei die Verdrängung des Fachbereichs Ethnologie: Umzug in kleinere Räume, Verlust der Bibliothek, Seminarräume, die kaum noch den Namen verdienen.

Auf dem Landesparteitag forderte derweil Bildungssenator Jürgen Zöllner erneut die Einrichtung einer sogenannten Super-Uni. Berlin müsse das Ziel haben, der Wissenschaftsstandort Deutschlands und einer der Wissenschaftsstandorte in Europa zu sein, sagte er. Dies könne nur erreicht werden, wenn die Berliner Wissenschaft in ihrer Gesamtheit international auf Spitzenebene konkurrenzfähig werde. Dafür sei die Bündelung »exzellenter Forschungsbereiche in einer gemeinsamen Tochterinstitution der universitären und außeruniversitären Einrichtungen« der beste Weg. Damit sei kein neuer Campus, sondern ein »Exzellenznetzwerk« gemeint. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Technologie, Ex-Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn, erklärte, eine Politik, die auf Bildung, Wissenschaft und Innovation setze, sei die »richtige Antwort auf die Herausforderungen der Globalisierung«.

Die Bedenken der Studierenden blieben von den Sozialdemokraten trotz der räumlichen Nähe ungehört. Viele Teilnehmer der Aktion auf dem Campus äußerten ihre Enttäuschung darüber, daß sie keine Chance erhalten hatten, der SPD ihre Forderungen vorzutragen. (junge Welt)

1 Kommentar 18.11.07 23:12, kommentieren