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der Spiegel berichtet von dem

SREIT UM FACEBOOK

Wer ist der Vater des Zehn-Milliarden-Babys?

Von Marc Pitzke, New York

Zehn Milliarden Dollar ist der geschätzte Wert des Freunde-Netzwerks Facebook. Zehn Milliarden Dollar, die Begehrlichkeiten wecken: Ein 24-jähriger Student legte jetzt eine 306-seitige Autobiografie vor, die sich mit einem Satz zusammenfassen lässt: "Ich hab's erfunden!"

New York - Aaron Greenspan ist gerade mal 24 Jahre jung, und doch hat er schon seine eigene Autobiografie vollendet. "Authoritas" heißt sie gewichtig, Untertitel: "Harvard-Geständnisse eines Studenten." 23 Seiten kann man auf Greenspans Website kostenlos vorab lesen, 306 Seiten hat der ganze Wälzer.

"Authoritas" ist freilich weniger eine Jugendbeichte als eine saftige Abrechnung. "Eine Suche nach Gerechtigkeit", sagt Greenspan. "Du schreibst mit Anfang 20 keine Autobiografie, es sei denn, du musst dir was von der Seele reden."

 

Greenspan, ein Internet-Unternehmer im Silicon Valley, hat sich offenbar viel von der Seele zu reden. Vor allem über seine Alma Mater Harvard und seinen damaligen Studienfreund Mark Zuckerberg, 23. Wenn einem dieser Name bekannt vorkommt, dann deshalb: Zuckerberg ist Gründer und Vorstandschef von Facebook - und Multimillionär, auf dem Papier jedenfalls.

Facebook ist eine sogenannte Social-Network-Website - eine Internet-Seite über die inzwischen Millionen Menschen Kontakt zu Freunden, Kommilitonen und Kollegen halten. Mit unzähligen spielerischen Anwendungen hilft die Seite den Nutzern dabei, ihr Sozialleben zu organisieren. Nach MySpace ist Facebook inzwischen die zweitpopulärste Social-Network-Website der Welt. Und Zuckerberg macht Kasse.

Zu Unrecht, findet Greenspan und ist darüber spürbar vergrätzt. Denn Facebook, behauptet er, sei gar nicht Zuckerbergs Idee gewesen - sondern seine. "Ich bin jemand, der an den Satz glaubt: Ehre, wem Ehre gebührt", sagt Greenspan zu SPIEGEL ONLINE. Und im Falle Zuckerberg treffe dieser Satz "eindeutig nicht zu". Doch noch hat er den Kampf nicht aufgegeben: "Wenn du lange genug wartest, wird die Wahrheit ans Licht kommen."

Dafür will er jetzt selbst sorgen, und das Timing dieser Silicon-Valley-Kontroverse kommt nicht von ungefähr. Denn Facebook, steht vor dem ganz großen Durchbruch: Nach Insider-Informationen will Microsoft für bis zu 500 Millionen Dollar bei Facebook einsteigen. Der Deal würde den Marktwert der Site auf satte zehn Milliarden Dollar beziffern.

Hoffnung auf moralische Wiedergutmachung

Kein Wunder, dass sich so manche davon ein Scheibchen abschneiden möchten, Erfolg hat viele Väter. Greenspan ist nicht der Erste, der Anspruch aufs Facebook-Füllhorn erhebt: Auch die Studenten-Website ConnectU hat kürzlich eine alte Copyright- Klage gegen Facebook und Zuckerberg erneut hervorgekramt.

Doch Greenspans Vorwurf ist persönlicher, bitterer, nachtragender. Ein seltener Einblick in die internen Rivalitäten unter Computerfreaks - und zugleich ein richtiger Silicon-Valley-Krimi: Nicht Mark Zuckerberg, nicht ConnectU - er selbst sei der Vater von Facebook.

 

Greenspan untermauert das mit langer E-Mail-Korrespondenz aus seinen Harvard-Jahren, die er aufbewahrt hat, in der Hoffnung auf späte, moralische Wiedergutmachung. Wie nahe ihm die Sache geht, ließ er am Tag der Microsoft-Meldung durchblicken: "Der Wert eines jeden Sozialnetzwerks", sagte er da verächtlich, "ist heute um einen lächerlichen Faktor gestiegen."

Schon mit 15 gründete Greenspan sein erstes Internet-Unternehmen, in seinem Kinderzimmer in Shaker Heights, einem idyllischen Vorort Clevelands, in dem auch Paul Newman aufwuchs. Er nannte es Think: eine IT-Firma, die "Computer besser machen" sollte und später auch Software entwickeln würde. Nach der High School ging er prompt nach Harvard, wo er Wirtschaft studierte.

Website-Start mit "Spider-Man"

Dort entwickelte Greenspan houseSYSTEM, eine interne, heute längst vergessene Website für Harvard-Studenten, die nach seiner Darstellung am 1. August 2003 den Betrieb aufnahm - sechs Monate vor Facebook, das ebenfalls an Harvard entstand. "Es war ein Online-Portal, das Studenten erlaubte, Kurse auszuwählen, Lehrbücher zu kaufen und zu verkaufen, Events bekanntzugeben sowie Poster, Lebensläufe, Kleinanzeigen und natürlich Fotos aufzuladen", sagt er. Also die gleichen Features wie später bei Facebook.

Ein Online-Trailer für houseSYSTEM von 2003 bestätigt diese Zeitschiene. Er ist mit der hochdramatischen Titelmusik der "Spider-Man"-Filme unterlegt. Mehr noch: Die Foto-Page von houseSYSTEM hieß - Face Book. "Es war damals das einzige, allgemein gültige Face Book von Harvard", sagt Greenspan.

Auch Zuckerberg war vorübergehend ein houseSYSTEM-Nutzer, während er an einer ähnlichen Website bastelte - auf eigene Faust. Die taufte er thefacebook.com. Die beiden Studenten diskutierten anfangs sogar eine Kooperation. "Ich habe mir tatsächlich überlegt, (meine Site) in houseSYSTEM zu integrieren, schon bevor du es vorgeschlagen hast", schrieb Zuckerberg in einer E-Mail an Greenspan, kurz bevor Facebook startete. Er arbeite aber "lieber unabhängig".

Greenspans Website war von Anfang an kontrovers. Kurz nach dem Start berichtete die Campus-Zeitung "Harvard Crimson" über potentielle "Sicherheitsrisiken", weil houseSYSTEM verlange, dass die Nutzer ihre Harvard-Passwörter angäben. Darauf forderte die Tech- Verwaltung Harvards alle houseSYSTEM-Nutzer auf, ihre Passwörter vorsichtshalber zu ändern. Greenspans Projekt kam so verständlicherweise nie in Schwung.

Greenspan beschuldigt den "Crimson", eine Kampagne gegen ihn geführt und Zuckerberg zugleich aber mit etlichen lobenden Artikeln propagiert zu haben. In der Tat verglich der "Crimson" Zuckerberg mit Microsoft-Chef und Harvard-Abbrecher Bill Gates - als Wunderkind, weil er schon an der High School ein Software-Programm für MP3-Musikfiles entwickelt hatte.

Greenspans Grimm richtet sich aber auch gegen die Uni-Spitze, die in jenem Sommer "einen Kreuzzug" gegen ihn geführt habe. Am Ende stand eine persönliche Konfrontation mit dem damaligen Harvard-Präsidenten Larry Summers, die Greenspan im ersten Kapitel seines Buches wutschnaubend beschreibt. Düpiert absolvierte er die Uni daraufhin im Eilverfahren und machte seinen Abschluss 2004, ein Jahr schneller als üblich - cum laude.

Facebook war dagegen sofort ein Mega-Erfolg. Schon im Mai 2005 sicherte sich Zuckerberg 12,7 Millionen Dollar Investoren- Risikokapital. Von Harvard aus weitete er Facebook bald auf alle Bostoner Unis aus, dann auf andere Städte und High Schools weltweit. Im März 2006 berichtete "Business Week" erstmals über Verkaufsgerüchte und schätzte den geforderten Preis auf zwei Milliarden Dollar.

Im September 2006 machte Greenspan - der inzwischen die (weniger erfolgreiche) Social-Network-Website CommonRoom gestartet hatte - seinem Ärger erstmals Luft, in einem offenen Brief an Zuckerberg. Das Schreiben triefte vor Zynismus. "Du bist jetzt fast täglich in der Zeitung!", lästerte er. "Erinnerst du dich noch an die Website, bei der du dich zwei Tage vor unserem Kennenlernen im Januar 2004 einschriebst, sie hieß houseSYSTEM?"

Autobiografie voller Seitenhiebe

Copyright-Klau oder Inspiration? Greenspan ist nicht der einzige, der Zuckerberg Diebstahl geistigen Eigentums vorwirft. Schon 2004 hatten ihn drei Harvard-Kommilitonen verklagt. Divya Narendra und die Zwillingsbrüder Cameron und Tyler Winklevoss waren die Gründer von ConnectU, auch einer Studenten-Site. Sie behaupteten, Zuckerberg habe ihre Source-Codes gestohlen. "Wir fühlen uns beraubt", sagte Tyler Winklevoss dem "Boston Herald" damals.

Der Vorwurf: Urheberrechtsverstoß, Betrug, Diebstahl von Wirtschaftsgeheimnissen. Doch das Verfahren zog sich hin. Die Gebrüder Cameron trainierten derweil als Ruderer für die Olympischen Spiele in Peking. Im März dieses Jahres wurde ihre Klage aus Formgründen abgewiesen. Sofort legten sie aber eine neue Klage ein. Diese ist derzeit weiter anhängig.

 

Klagen will Greenspan selbst nicht - vorerst. Er bestätigt, von den ConnectU-Anwälten "kontaktiert" worden zu sein. "Ich mache mein Geld lieber mit einem erfolgreichen Geschäft als einer Klage", sagt er. Andererseits: "Wenn ich irgendwann glaube, dass ich einen legitimen juristischen Anspruch habe, dann wäre es nur richtig, den zu verfolgen."

Facebooks Erfolg scheint unterdessen unaufhaltsam. Es hat nach eigenen Angaben inzwischen 43 Millionen Nutzer weltweit und bekommt jeden Tag über 200.000 neue. "Wir streben danach, wie Google zu werden", sagte Marketingchef Chamath Palihapitiya kürzlich.

Zuckerberg selbst - den "Business Week" den "Bad Boy" des Silicon Valley nennt - will sich weder zu ConnectU noch zu Greenspan äußern. So bleibt Letzterem nur kalte Wut über den gigantischen Erfolg Zuckerbergs, die er nun in seine Autobiografie gegossen hat - ein Werk voller Seitenhiebe auf den Ex-Kommilitonen. Für das Buch sucht er übrigens noch einen Verleger.

1 Kommentar 3.10.07 21:46, kommentieren

 

In Österreich gibt es Pläne, den Zugang zum Studium zu ändern - hier kommt ein Auszug aus der aktuellen Diskussion:

SPÖ gegen Hahn-Pläne für Uni-Zugang

Aufzählung Broukal: Beschränkungen nur für Medizin.
Aufzählung Hahn über SPÖ-Schwenk verwundert.

Wien. Die SPÖ wird im Ministerrat dem Entwurf von Wissenschaftsminister Johannes Hahn zur Verlängerung der Zulassungsbeschränkungen in acht Fächern (Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Psychologie, Publizistik, Biologie, Pharmazie, Betriebswirtschaft) nicht zustimmen. "Diese Regierungsvorlage wird es nicht geben", betonte SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal am Donnerstag. "Wir bleiben hier fest."

Nur die Zugangsbeschränkungen in den medizinischen Fächern will die SPÖ wie bisher verlängern. In Psychologie, Publizistik und BWL sollen sie dagegen nur gegen eine zehnprozentige Aufstockung der Anfänger-Studienplätze bleiben, in der Biologie und Pharmazie überhaupt fallen.

Der Wissenschaftsminister zeigte sich "verwundert über den Rückzieher". Er sieht darin eine Justament-Aktion. Zugangsbeschränkungen gebe es "aus Gründen der Vorsicht und Weitsicht", sagte Hahn.

 

1 Kommentar 7.10.07 23:07, kommentieren

Piraten kapern Musikverband-Seite


 

Die schwedische Filesharer-Seite The   Pirate Bay hat sich eine Internetadresse der Plattenindustrie unter den Nagel gerissen. Unter Ifpi.com sind ab sofort nicht mehr die Inhalte der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) zu finden. Statt des Internetauftritts des Interessenverbands der Musikindustrie will Pirate Bay dort nun eine Seite für Piratenrechte platzieren. Bei der Aktion handelt es sich nicht um einen Hack – bei der IFPI hatten es die Verantwortlichen offenbar einfach verschlafen, die Domain zu verlängern.

unter der Hauptadresse ifpi.org als auch unter ifpi.com vor. Dort vertritt die IFPI die Rechte und Interessen der Musikindustrie, vor allem im Kampf gegen Raubkopierer und Filesharer. Im Januar diesen Jahres war für die .com-Adresse jedoch offenbar der Domainvertrag ausgelaufen und nicht verlängert worden. Ein Sympathisant der Piratenszene hatte sich daraufhin der Adresse bemächtigt und sie nun den Gründern der Pirate Bay vermacht. Die wollen nun unter der Adresse den Internetauftritt der eigens gegründeten International Federation of Pirate Interests platzieren. Der Verband soll für die Interessen der internationalen Piratenszene eintreten – und die Vertreter der Musikindustrie kräftig ärgern.

Musikindustrie plant Gegenschlag 

Dem "Sydney Morning Herald" verriet ein Sprecher der IFPI, dass der Verband Einspruch gegen die Übernahme der Domain erheben wolle. Die World Intellectual Property Organisation (WIPO), die Fälle von Domain-Besetzungen klären soll, wird in dem Fall entscheiden. Egal wie diese Entscheidung ausfällt, ist den Machern von Pirate Bay erneut ein PR-Gag auf Kosten der Musikindustrie gelungen 

 

1 Kommentar 18.10.07 19:41, kommentieren